Was ist ein guter Prompt? Die fünf Teile, die wir in jedem Prompt verwenden

Ein guter Prompt ist eine Anweisung an eine KI, die fünf Angaben enthält: wer antworten soll, was die KI über deinen Fall wissen muss, welche eine Aufgabe zu erledigen ist, wie das Ergebnis aussehen soll und woran sich die KI orientieren kann. Fehlt eine dieser fünf Angaben, rät die KI. Das Ergebnis liest sich dann glatt und passt trotzdem nicht, und du sitzt zehn Minuten daran, es umzuschreiben. Wir führen mehrere Unternehmen ohne zusätzliches Team und geben deshalb jeden Tag Aufgaben an Claude und ChatGPT ab. Die fünf Teile unten sind das, was bei uns übrig geblieben ist, nachdem wir ein Jahr lang Prompts geschrieben, verworfen und noch einmal geschrieben haben. Jeder Teil steht hier mit einem vollständigen Prompt, den du kopieren und mit deinen Angaben füllen kannst.
// Das Wichtigste in Kürze
- Ein Prompt ist die Anweisung, die du einer KI gibst. Das Wort kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie Stichwort oder Aufforderung.
- Ein guter Prompt hat fünf Teile: Rolle, Kontext, Aufgabe, Format, Beispiel. Jeder Teil beantwortet eine Frage, die die KI sonst selbst beantwortet.
- Der Kontext fehlt am häufigsten. Das ist der Grund, warum Antworten so allgemein klingen, als wären sie aus einem Ratgeber abgeschrieben.
- Eine Aufgabe pro Prompt. Wer drei Dinge auf einmal verlangt, bekommt drei halbe Ergebnisse.
- Ein guter Prompt ist nicht der längste. Fünf Zeilen mit den richtigen Angaben liefern mehr als zwanzig Zeilen Beschreibung.
- Prompt-Techniken wie Rollenanweisung, Beispiel-Prompting oder Zwischenschritte sind Varianten derselben fünf Teile.
- Was du zum dritten Mal kopierst, gehört in ein Projekt oder einen Skill, statt jedes Mal neu ins Chatfenster.
Was bedeutet Prompt?
Prompt ist das englische Wort für Aufforderung oder Stichwort, und bei einer KI meint es die Eingabe, mit der du ein Ergebnis anforderst. Alles, was du in das Eingabefeld von ChatGPT, Claude, Gemini oder Perplexity tippst, ist ein Prompt. Eine einzelne Frage ist ein Prompt. Ein halbseitiger Auftrag mit angehängter Tabelle ist auch ein Prompt.
Das Wort stammt aus der Zeit, als Computer nur über die Kommandozeile bedient wurden. Dort steht bis heute ein blinkender Cursor hinter einem Zeichen, und dieses Zeichen heißt Prompt. Es fordert dich auf, etwas einzugeben. Bei einer KI ist die Richtung dieselbe geblieben, die Sprache hat sich geändert: Du tippst keinen Befehl mit festem Wortlaut mehr, du schreibst einen normalen deutschen Satz.
Daraus ergibt sich das Missverständnis, das den meisten schlechten Prompts zugrunde liegt. Weil du in normaler Sprache schreiben darfst, fühlt es sich an wie ein Gespräch mit einem Menschen. Ein Mensch, der seit drei Jahren bei dir arbeitet, weiß aber, für welche Kunden du schreibst, wie du deine Preise nennst und dass ihr grundsätzlich duzt. Die KI weiß davon nichts und hat nur deinen Namen, deinen Satz und sonst nichts. Der ganze Unterschied zwischen einem Prompt, der funktioniert, und einem, der nicht funktioniert, liegt in dem, was du dazuschreibst.
Was ist ein Prompt bei ChatGPT?
Bei ChatGPT ist der Prompt die Nachricht, die du in das Chatfenster schreibst und mit der Eingabetaste abschickst, und jede weitere Nachricht im selben Chat ist ebenfalls ein Prompt. ChatGPT sieht dabei die vorherigen Nachrichten des Chats mit. Deshalb musst du im zweiten Prompt nicht wiederholen, worum es geht, und deshalb musst du für ein neues Thema einen neuen Chat öffnen.
Drei Dinge sind bei ChatGPT technisch eigen. Erstens: Dateien darfst du an den Prompt anhängen, eine Tabelle, ein PDF, ein Bild. Die Datei ist dann Teil des Kontextes, und du musst im Text dazuschreiben, was mit ihr passieren soll. Zweitens: Im kostenlosen Plan stehen laut den Preisangaben von September 2026 etwa 10 Nachrichten pro 5 Stunden zur Verfügung, danach antwortet ChatGPT eingeschränkt oder gar nicht mehr. Wenn du also mitten in einer Aufgabe plötzlich abgewiesen wirst, liegt das am Limit und nicht an deinem Prompt. Drittens: Was du in den Benutzerdefinierten Anweisungen hinterlegst, gilt für alle Chats. Das ist der Ort für Angaben, die immer gleich sind, zum Beispiel dein Beruf und deine Anrede.
Bei Claude, Gemini und Perplexity ist das Grundprinzip identisch. Ein Prompt ist die Nachricht, der Chat ist das Gedächtnis für diese eine Unterhaltung, und jede Plattform hat eigene Orte für Angaben, die nicht in jede Nachricht gehören. Die fünf Teile unten gelten überall gleich. Nur die Frage, wo du wiederkehrende Angaben ablegst, wird je nach Werkzeug anders beantwortet, und darauf kommen wir im Abschnitt zu Claude zurück.
Was macht einen Prompt zu einem guten Prompt?
Ein Prompt ist gut, wenn das erste Ergebnis so zurückkommt, dass du es ohne Umschreiben weiterverwenden kannst. Das ist der einzige Maßstab, der zählt, und er ist angenehm hart: Entweder du kopierst das Ergebnis in die Mail und schickst es ab, oder der Prompt war nicht gut genug.
Alle anderen Maßstäbe führen in die Irre. Ein Prompt ist nicht deshalb gut, weil er lang ist. Wir haben Prompts mit vierzig Zeilen gesehen, die schlechtere Ergebnisse geliefert haben als fünf Zeilen mit den richtigen Angaben, weil vierzig Zeilen Beschreibung die eigentliche Aufgabe unter sich begraben. Ein Prompt ist auch nicht deshalb gut, weil er höflich ist. Bitte und danke ändern am Ergebnis nichts. Und ein Prompt ist erst recht nicht deshalb gut, weil er ein englisches Kürzel aus einem LinkedIn-Post befolgt.
Was ein Ergebnis brauchbar macht, lässt sich auf eine einzige Frage bringen: Wie viel muss die KI raten? Jede Angabe, die du weglässt, füllt sie selbst aus, und sie füllt sie mit dem Durchschnitt aus allem, was sie gelesen hat. Der Durchschnitt aller Angebotsmails im Internet ist eine Angebotsmail mit drei Absätzen Einleitung, einer Aufzählung und einem Schlusssatz, der noch mehr Hilfe anbietet. Genau diesen Text bekommst du, wenn du schreibst: "Schreib mir eine Angebotsmail."
Die fünf Teile unten sind nichts anderes als die fünf Fragen, die die KI sonst für dich beantwortet. Du beantwortest sie vorher, und damit ist die Sache erledigt.
Teil 1: Die Rolle sagt, wer antworten soll
Die Rolle ist der Satz am Anfang, der festlegt, aus welcher Sicht geantwortet wird, und sie entscheidet über Wortschatz, Tiefe und Ton der Antwort. "Du bist Steuerberater" liefert einen anderen Text als "Du bist mein Assistent für Kundenkommunikation", obwohl die Aufgabe dahinter dieselbe sein kann.
Es gibt zwei Arten, die Rolle zu setzen, und beide funktionieren. Die erste richtet sich an die KI: "Du bist ein erfahrener Vertriebler im Maschinenbau." Die zweite beschreibt dich selbst: "Ich bin Physiotherapeutin mit einer Praxis und zwei Angestellten." Die zweite Variante ist für den Alltag oft die nützlichere, weil sie gleichzeitig Kontext liefert. Wer schreibt hier, für wen, in welcher Lage.
Zur Rolle gehört auch die Anrede und der Ton, weil beides sonst geraten wird. "Wir duzen unsere Kunden" ist eine halbe Zeile und spart dir das komplette Umschreiben. Dasselbe gilt für Eigenarten deiner Branche: "Bei uns heißt es Kunde und nie Patient" oder "Das Wort Mahnung kommt bei uns nicht vor".
Was die Rolle nicht leistet: Sie macht die KI nicht klüger. "Du bist der beste Verkäufer der Welt" verändert nichts außer dem Tonfall, und der wird dadurch eher lauter. Wir schreiben inzwischen nüchterne Rollen, weil vollmundige Rollen vollmundige Texte zurückbringen.
Hier ein vollständiger Prompt für eine Aufgabe, die bei fast jedem Selbstständigen jede Woche anfällt. Die Rolle steht in den ersten beiden Zeilen.
Du bist mein Assistent für schriftliche Angebote. Ich bin selbstständige Grafikerin
und arbeite für kleine Handwerksbetriebe, die zum ersten Mal ein Logo brauchen.
Wir duzen unsere Kunden. Fachbegriffe aus der Grafikwelt kommen im Text nicht vor.
Der Kunde heißt [Name], Betrieb [Branche], und will [Leistung in einem Satz].
Im Gespräch war ihm wichtig: [zwei oder drei Punkte aus dem Gespräch].
Der Preis ist [Betrag] Euro netto, die Lieferzeit [Zeitraum].
Schreib daraus eine Angebotsmail.
Reihenfolge: Anrede, ein Satz Rückbezug auf das Gespräch, was er bekommt, was er dafür
zahlt, bis wann es da ist, ein Satz, wie er zusagt. Höchstens 180 Wörter.
Kein Werbetext, keine Aufzählung mit Sternchen, kein Angebot für weitere Hilfe am Ende.
Die drei Zeilen zur Rolle am Anfang sind der Grund, warum aus diesem Prompt eine Mail an einen Dachdecker kommt und keine Mail an eine Marketingabteilung. Nimm die drei Zeilen weg, und der Text füllt sich mit Wörtern wie Markenauftritt und Positionierung, die dein Kunde am Telefon nie benutzen würde.
Teil 2: Der Kontext sagt, was die KI über deinen Fall wissen muss
Der Kontext ist alles, was die KI über deine konkrete Lage wissen muss, um nicht zu raten, und das ist der Teil, der in den meisten Prompts fehlt. Wenn eine Antwort sich liest wie aus einem Ratgeber abgeschrieben, dann fast immer deshalb.
Kontext ist wörtlich gemeint. Die Beschwerde des Kunden gehört im Wortlaut in den Prompt, nicht als Zusammenfassung. Die Notizen aus dem Gespräch gehören hinein, auch unsortiert und mit Tippfehlern. Die Rechnungsnummer, der Betrag, das Datum, der Name, der Grund für die Verzögerung. Jede dieser Angaben ersetzt eine Vermutung.
Ein gutes Prüfzeichen: Lies deinen Prompt und frag dich, ob ein neuer Mitarbeiter am ersten Tag damit zurechtkäme. Er kennt deine Kunden nicht, dein Angebot nicht und eure Vorgeschichte nicht. Wenn er nachfragen müsste, fehlt der KI dieselbe Angabe. Nur fragt sie nicht nach, sie füllt die Lücke.
Wo Kontext nicht hingehört: in jede einzelne Nachricht. Angaben, die immer gleich sind, gehören einmalig an einen festen Ort. Bei ChatGPT sind das die Benutzerdefinierten Anweisungen und Projekte, bei Claude sind es Projekte und das Gedächtnis, dazu weiter unten mehr. Was du sonst tust, ist dieselben vier Zeilen zu deinem Beruf fünfzigmal im Monat zu tippen.
Der folgende Prompt beantwortet eine Kundenmail. Der Kontext ist hier der größte Teil des Prompts, und das ist richtig so.
Ich bin Inhaber einer kleinen IT-Firma und betreue Zahnarztpraxen.
Eine Kundin hat mir geschrieben, hier ist ihre Mail im Wortlaut:
[Mail der Kundin komplett einfügen]
Was sie nicht weiß und was in die Antwort gehört:
Der Ausfall am [Datum] kam von einem Update des Herstellers, nicht von uns.
Wir haben in der Nacht [Zeitraum] daran gearbeitet, seit [Datum] läuft es wieder.
Damit das nicht noch einmal passiert, stellen wir Updates auf [Vorgehen] um.
Eine Gutschrift gibt es nicht, die Ausfallzeit lag unter der vereinbarten Grenze.
Schreib die Antwort.
Reihenfolge: erst was passiert ist, dann was wir gemacht haben, dann was sich ändert,
zum Schluss ein Satz zur Gutschrift.
Anrede Sie, sachlicher Ton, keine Entschuldigungsformel am Anfang, höchstens 200 Wörter.
Erfinde nichts dazu, was oben nicht steht.
Die letzte Zeile hat bei uns mehr gerettet als jede andere. Ohne sie ergänzt eine KI gern freundliche Zusagen, die niemand gegeben hat, zum Beispiel einen Rückruf am nächsten Tag oder einen Rabatt beim nächsten Auftrag. Das fällt beim schnellen Lesen kaum auf und steht danach schriftlich beim Kunden.
Teil 3: Die Aufgabe sagt, was genau passieren soll
Die Aufgabe ist ein Verb und ein Ziel, also "Schreib eine Absage", "Zieh die Termine heraus", "Kürze den Text auf die Hälfte", und pro Prompt gehört genau eine Aufgabe hinein. Das klingt banal und ist der Punkt, an dem die meisten Prompts auseinanderlaufen.
Der typische Fall sieht so aus: "Fass das Protokoll zusammen, zieh die Aufgaben heraus und schreib eine Mail an alle, die nicht dabei waren." Das sind drei Aufgaben. Was zurückkommt, ist eine Zusammenfassung mit mittlerer Tiefe, eine Aufgabenliste, in der zwei Punkte fehlen, und eine Mail, die beides noch einmal wiederholt. Drei halbe Ergebnisse in einer Antwort, und du sortierst sie von Hand auseinander.
Drei Prompts hintereinander dauern eine Minute länger und liefern drei brauchbare Ergebnisse. Der zweite Prompt kann sich dabei auf den ersten beziehen, weil der Chat die vorherige Nachricht kennt: "Zieh aus dem Protokoll oben die Aufgaben heraus, mit Name und Frist." Du musst den Kontext also nicht noch einmal einfügen.
Zur Aufgabe gehört auch, was ausdrücklich nicht passieren soll. Ausschluss-Angaben sind kurz und sparen die meiste Nacharbeit: "ohne Zwischenüberschriften", "ohne Emojis", "ohne das Wort spannend", "keine Einleitung, fang direkt mit dem ersten Punkt an". Bei uns ist die Liste dieser Ausschlüsse über Monate gewachsen, jede Zeile hat einen konkreten Anlass.
Der folgende Prompt gliedert einen Blogartikel. Er macht genau das und nichts weiter, er schreibt insbesondere keinen Text.
Ich schreibe für den Blog meiner Firma. Ich bin Steuerberaterin und schreibe
für Selbstständige ohne kaufmännische Ausbildung.
Thema des Artikels: [Thema in einem Satz].
Wer ihn liest: [Zielgruppe in einem Satz].
Was der Leser danach tun können soll: [eine konkrete Handlung].
Erstelle nur die Gliederung, keinen Fließtext.
Gib mir 8 bis 12 Überschriften in der Reihenfolge, in der sie im Artikel stehen.
Jede Überschrift ist ein ganzer Satz oder eine Frage und allein verständlich.
Unter jeder Überschrift eine einzige Zeile, was dort beantwortet wird.
Keine Einleitung vorweg, keine Erklärung hinterher.
Die Zeile "keinen Fließtext" ist der Grund, warum hier eine Gliederung zurückkommt und kein halber Artikel. Ohne sie fängt jede KI nach der dritten Überschrift an, die Abschnitte schon auszuformulieren, und dann liest du 1.200 Wörter, um zu prüfen, ob die Reihenfolge stimmt.
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Teil 4: Das Format sagt, wie das Ergebnis aussehen soll
Das Format legt fest, in welcher Form die Antwort zurückkommt, also Länge, Reihenfolge und Art der Darstellung, und es entscheidet darüber, ob du das Ergebnis kopieren kannst oder erst umsortieren musst. Ohne Formatangabe entscheidet die KI selbst, und ihre Standardform ist fast immer dieselbe: eine Einleitung, eine Aufzählung mit fetten Zwischenüberschriften, ein freundlicher Schlusssatz.
Nützliche Formatangaben sind konkret und messbar. "Höchstens 120 Wörter" ist eine Angabe, "kurz" ist keine. "Eine Tabelle mit den Spalten Datum, Betrag, Kunde, Status" ist eine Angabe, "übersichtlich" ist keine. "Drei Absätze in dieser Reihenfolge: Lage, Vorschlag, nächster Schritt" ist eine Angabe, "gut strukturiert" ist keine.
Dazu gehört auch die Angabe, was um das Ergebnis herum stehen darf. "Gib mir nur den Text, ohne Kommentar davor und danach" spart dir bei jedem Durchgang zwei Zeilen Löscharbeit. Wenn du das Ergebnis in ein anderes Werkzeug übernimmst, ist die Angabe noch wichtiger: "Antworte als Liste mit Semikolon zwischen den Feldern, eine Zeile pro Eintrag" gibt dir etwas, das du direkt in eine Tabelle einfügen kannst.
Der folgende Prompt fasst Zahlen aus einer Tabelle zusammen. Das Format ist hier die halbe Miete, weil du das Ergebnis danach in eine Mail an deinen Steuerberater oder deinen Geschäftspartner setzt.
Anbei meine Umsatzübersicht als Tabelle. Spalten: Datum, Kunde, Leistung, Betrag netto,
bezahlt ja oder nein.
Ich bin Selbstständiger mit 4 Mitarbeitern und schaue mir die Zahlen einmal im Monat an.
Fass mir [Monat] zusammen.
Format:
1. Ein Satz mit Gesamtumsatz netto und der Zahl der Rechnungen.
2. Eine Tabelle mit den 5 größten Kunden: Kunde, Summe netto, Anteil am Monat in Prozent.
3. Eine Liste der offenen Rechnungen: Datum, Kunde, Betrag, Tage seit Rechnungsdatum.
4. Drei Sätze zu dem, was gegenüber dem Vormonat anders ist.
Rechne nur mit den Zahlen aus der Tabelle. Wenn eine Angabe fehlt, schreib "fehlt"
statt eine Zahl zu schätzen. Keine Empfehlungen, keine Einschätzung meiner Lage.
Die Zeile mit dem Wort "fehlt" ist der wichtigste Satz in diesem Prompt. Eine KI rechnet bereitwillig mit unvollständigen Daten weiter und liefert eine Summe, die stimmig aussieht. Wer Zahlen aus einer Tabelle ziehen lässt, muss diesen Ausweg ausdrücklich verbieten und danach trotzdem stichprobenhaft nachrechnen.
Teil 5: Das Beispiel zeigt, woran sich die KI orientieren soll
Das Beispiel ist ein Muster, an dem sich die KI ausrichtet, also ein fertiger Text von dir, eine alte Mail, die dir gefallen hat, oder zwei Zeilen im gewünschten Ton, und es liefert mehr als jede Beschreibung. Wer zehn Zeilen darüber schreibt, wie sein Stil klingt, bekommt ein schlechteres Ergebnis als jemand, der eine eigene Mail anhängt und dazuschreibt: "So wie diese hier."
Der Grund ist einfach. Eine Beschreibung des Tons ist immer ungenau, weil dir selbst die Wörter dafür fehlen. "Locker, aber professionell" heißt für jeden etwas anderes. Ein echter Text von dir enthält Satzlänge, Anrede, Grußformel, Absatzrhythmus und deine Eigenheiten, ohne dass irgendjemand sie benennen muss.
Bei kurzen Aufgaben ersetzt eine Ausschluss-Angabe das Beispiel. "Ohne Ausrufezeichen" oder "ohne das Wort Mahnung" grenzt das Ergebnis ähnlich genau ein und kostet vier Wörter. Bei längeren Texten lohnt sich das echte Muster fast immer.
Zwei Beispiele sind besser als eines, drei sind selten nötig. Wenn du zwei Muster anhängst, erkennt die KI, was beiden gemeinsam ist, und nimmt genau das mit. Bei einem einzigen Muster übernimmt sie manchmal Dinge, die zufällig darin stehen, etwa eine bestimmte Grußformel, die nur zu diesem einen Kunden gehört.
Der folgende Prompt erstellt ein Protokoll aus Notizen und nutzt ein altes Protokoll als Muster.
Ich bin Projektleiter in einem Ingenieurbüro mit 6 Leuten und schreibe nach jedem
Kundentermin ein kurzes Protokoll.
Hier sind meine Notizen vom Termin am [Datum] mit [Kunde], unsortiert und stichpunktartig:
[Notizen einfügen]
Hier ist ein Protokoll von einem früheren Termin, an dem du dich ausrichten sollst,
in Reihenfolge, Länge und Ton:
[altes Protokoll einfügen]
Schreib das Protokoll für den Termin oben, in derselben Reihenfolge wie das Muster.
Halte dich an diese Regeln:
Jede offene Aufgabe bekommt einen Namen und eine Frist. Fehlt eine Frist in meinen
Notizen, schreib "Frist offen" dahinter.
Was im Termin nur angesprochen und nicht entschieden wurde, kommt unter die Überschrift
"Noch nicht entschieden".
Erfinde keine Beschlüsse, die in den Notizen nicht vorkommen.
Das Muster ersetzt hier eine halbe Seite Formatbeschreibung. Wir haben denselben Prompt einmal mit und einmal ohne angehängtes Protokoll durchlaufen lassen. Ohne Muster kam eine saubere Zusammenfassung mit Zwischenüberschriften zurück, die mit dem Protokoll, das der Kunde gewohnt war, wenig gemein hatte. Mit Muster kam ein Protokoll zurück, das an derselben Stelle dieselbe Überschrift hatte.
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Jeder der fünf Teile beantwortet eine Frage, die die KI sonst selbst beantwortet: wer antwortet, was sie über deinen Fall weiß, was zu tun ist, wie das Ergebnis aussieht und woran sie sich ausrichtet. Von diesen fünf fehlt in den Prompts, die wir zu sehen bekommen, am häufigsten der Kontext.
Derselbe Auftrag als schlechter und als guter Prompt
Der Unterschied zwischen einem schlechten und einem guten Prompt ist am schnellsten zu sehen, wenn derselbe Auftrag zweimal gestellt wird, einmal in einem Satz und einmal mit allen fünf Teilen. Der Auftrag hier: Ein Kunde hat eine Anfrage geschickt, für die du keine Zeit hast, und du willst absagen, ohne ihn zu verlieren.
So sieht der schlechte Prompt aus:
Schreib eine freundliche Absage an einen Kunden.
Das kommt dabei zurück (sinngemäß, bei jeder KI ähnlich): eine Mail mit der Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren", einem Dank für das entgegengebrachte Vertrauen, dem Hinweis, dass man die Anfrage aufgrund aktueller Kapazitäten leider nicht annehmen könne, dem Wunsch für das weitere Vorhaben und dem Angebot, sich jederzeit wieder zu melden. Der Text ist grammatisch einwandfrei, etwa 150 Wörter lang, und er passt auf jeden Kunden auf der Welt. Genau das ist ihr Fehler. Du müsstest den Namen einsetzen, die Anrede auf du ändern, den Grund konkret machen, einen Termin nennen, zu dem du wieder Zeit hast, und die Schlussformel austauschen. Danach ist von der Mail ein Drittel übrig, und du hättest in derselben Zeit selbst geschrieben.
So sieht der gute Prompt aus:
Ich bin Tischler mit einer Werkstatt und zwei Gesellen. Wir duzen unsere Kunden.
Ein Stammkunde, [Name], hat angefragt: [Anfrage im Wortlaut].
Ich kann den Auftrag nicht annehmen, weil ich bis [Monat] mit [laufender Auftrag]
ausgelastet bin. Ab [Monat] habe ich wieder Kapazität.
Ich will ihn behalten, er hat in den letzten Jahren [Anzahl] Aufträge gegeben.
Einen Kollegen empfehlen will ich nicht.
Schreib die Absage als Mail.
Reihenfolge: Dank für die Anfrage, klare Absage mit dem echten Grund, der Termin ab dem
es wieder geht, ein Satz, dass er sich dann melden soll.
Du-Anrede, höchstens 120 Wörter, keine Floskel wie "leider müssen wir Ihnen mitteilen",
kein Angebot, ihm anderweitig zu helfen.
Das kommt dabei zurück: eine Mail mit dem Namen des Kunden in der Anrede, dem echten Grund in einem Satz, einem konkreten Monat als Anschluss und einer Schlusszeile, die ihn zum Wiederkommen auffordert. Länge unter 120 Wörtern. Du liest sie einmal durch, änderst höchstens ein Wort und schickst sie ab.
Der gute Prompt ist elf Zeilen lang und der schlechte eine. Die elf Zeilen zu schreiben dauert etwa 90 Sekunden. Die Mail aus dem schlechten Prompt brauchbar zu machen dauert länger, und beim nächsten Kunden fängst du wieder von vorn an. Der gute Prompt dagegen ist beim nächsten Mal eine Vorlage, in der du drei Klammern austauschst.
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Aus einem Satz kommt eine Mail zurück, die auf jeden Kunden passt und die du an fünf Stellen von Hand ergänzen musst. Aus elf Zeilen mit den fünf Teilen kommt eine Mail zurück, die Name, Grund und Termin schon enthält.
Welche Prompt-Techniken es gibt und welche du im Alltag brauchst
Prompt-Techniken sind benannte Vorgehensweisen, mit denen sich bestimmte Aufgaben zuverlässiger lösen lassen, und die meisten davon sind Varianten der fünf Teile oben. Es lohnt sich, vier davon zu kennen, weil sie in Anleitungen unter englischen Namen auftauchen und dahinter etwas sehr Einfaches steckt.
Rollenanweisung (Role Prompting). Das ist Teil 1 oben. Du legst fest, aus welcher Sicht geantwortet wird. Nützlich, wenn das Thema Fachsprache hat und du entscheiden willst, auf welchem Niveau geantwortet wird.
Beispiel-Prompting (Few-Shot Prompting). Das ist Teil 5 oben. Du hängst ein bis drei fertige Beispiele an und lässt die KI daraus das Muster ziehen. Am stärksten bei wiederkehrenden Textsorten: Produktbeschreibungen, Stellenanzeigen, Antworten auf Bewertungen. Der Gegenbegriff heißt Zero-Shot und meint einfach einen Prompt ohne Beispiel.
Zwischenschritte verlangen (Chain of Thought). Du forderst die KI auf, den Weg zum Ergebnis in Schritten aufzuschreiben, bevor sie das Ergebnis nennt. Nützlich bei Rechnungen, Vergleichen und allem, wo mehrere Angaben verrechnet werden. Die Formulierung im Alltag: "Rechne Schritt für Schritt und zeig mir die Zwischenschritte, bevor du das Ergebnis nennst." Der Nutzen liegt weniger darin, dass das Ergebnis besser wird, als darin, dass du den Fehler findest, wenn eins nicht stimmt.
Aufgabenkette (Prompt Chaining). Du zerlegst eine große Aufgabe in mehrere Prompts, die aufeinander aufsetzen. Erst die Gliederung, dann pro Abschnitt der Text, dann die Kürzung. Das ist die Antwort auf die Regel "eine Aufgabe pro Prompt" und der Grund, warum lange Aufträge in kurzen Schritten besser laufen.
Alles andere, was unter dem Wort Technik gehandelt wird, ist meist eine dieser vier mit anderem Namen. Was tatsächlich fehlt, wenn ein Ergebnis nicht passt, ist in neun von zehn Fällen keine Technik. Es ist eine fehlende Angabe aus den fünf Teilen.
Was ein Prompt-Framework ist und warum wir keines mit Buchstaben-Kürzel nutzen
Ein Prompt-Framework ist ein festes Schema, nach dem ein Prompt angeordnet wird, meist mit einem Kürzel aus den Anfangsbuchstaben, und es tut genau dasselbe wie die fünf Teile oben. Im Umlauf sind ein gutes Dutzend davon, die bekanntesten heißen RTF (Role, Task, Format), CRISPE, RACE und COSTAR. Wer sie nebeneinanderlegt, sieht dieselben Angaben in anderer Reihenfolge: wer, was, wozu, in welcher Form, mit welcher Einschränkung.
Wir nutzen keines davon mit Namen, aus zwei Gründen. Der erste: Ein Kürzel, das man sich merken muss, ist eine zusätzliche Hürde zwischen dir und der Aufgabe. Im Alltag denkt niemand "jetzt mache ich ein RTF". Man denkt "der Kunde wartet auf eine Antwort". Die fünf Fragen aus der Grafik oben sind schneller im Kopf als fünf Buchstaben, deren Bedeutung man erst auflösen muss.
Der zweite Grund: Die Frameworks legen eine feste Reihenfolge fest, und die Reihenfolge ist bei kurzen Prompts gleichgültig. Ob der Kontext vor oder nach der Aufgabe steht, ändert am Ergebnis nichts, solange beides drinsteht. Was zählt, ist die Vollständigkeit. Bei langen Prompts hat sich bei uns eine Reihenfolge eingespielt, ohne dass wir sie je festgelegt hätten: Rolle und Ton oben, dann der Kontext, dann die Aufgabe, dann das Format, das Muster zuletzt, weil es am längsten ist.
Wenn du mit einem Framework aus einem Video besser zurechtkommst, nutze es. Es liefert dieselbe Vollständigkeit. Nur den Teil, den dein Framework nicht enthält, solltest du trotzdem mitschreiben. Bei RTF fehlt zum Beispiel der Kontext, und das ist der Teil, an dem die meisten Ergebnisse hängen.
Wie du einen Prompt schreibst, wenn du bei null anfängst
Einen Prompt schreibst du am schnellsten, indem du zuerst das Ergebnis beschreibst, das du erwartest, und danach rückwärts die Angaben ergänzt, ohne die dieses Ergebnis nicht zustande kommt. Das ist ein Ablauf in sechs Schritten, und nach zwei Wochen machst du ihn im Kopf.
Schritt 1: Schreib die Aufgabe als Satz. "Ich will eine Zahlungserinnerung an einen Kunden, der seit drei Wochen nicht zahlt." Das ist noch kein Prompt, das ist deine Notiz an dich selbst.
Schritt 2: Beschreib das Ergebnis, das du erwartest. Wie lang, in welcher Form, welcher Ton, was darf nicht drinstehen. Bei der Zahlungserinnerung: höchstens 80 Wörter, freundlich, geht davon aus, dass die Rechnung untergegangen ist, ohne das Wort Mahnung. Das ist dein Teil 4.
Schritt 3: Sammle die Angaben, ohne die es nicht geht. Rechnungsnummer, Betrag, Fälligkeitsdatum, Name, wie oft du schon geschrieben hast. Das ist dein Teil 2. Er ist fast immer länger, als du gedacht hast.
Schritt 4: Setz einen Satz zur Rolle davor. Wer du bist, für wen du schreibst, wie ihr anredet. Zwei Zeilen genügen. Das ist dein Teil 1.
Schritt 5: Häng ein Muster an, wenn du eins hast. Eine alte Mail derselben Sorte. Wenn du keine hast, schreib stattdessen zwei Ausschluss-Angaben. Das ist dein Teil 5.
Schritt 6: Schick ihn ab und prüf das Ergebnis gegen deine Beschreibung aus Schritt 2. Was abweicht, ist eine fehlende Angabe. Trag sie im selben Chat nach, ohne einen neuen zu öffnen.
Der entscheidende Teil steht in Schritt 6. Ein Prompt ist selten beim ersten Durchgang fertig, und er soll es auch nicht sein. Die zweite Fassung ist die, die du behältst. Bei uns sieht das so aus, dass unter fast jedem Prompt, der länger im Einsatz ist, eine Zeile steht, die nachträglich dazugekommen ist, weil beim ersten Durchgang etwas gefehlt hat. "Ohne das Wort Mahnung" ist genau so entstanden.
Wie lang ein Prompt sein darf
Ein Prompt darf so lang sein, wie er Angaben enthält, die das Ergebnis verändern, und er wird schlechter, sobald er Sätze enthält, die nur beschreiben. Eine feste Obergrenze gibt es bei keinem der großen Werkzeuge im Alltag, wohl aber eine praktische.
Für kurze Aufgaben liegt die brauchbare Länge zwischen drei und fünfzehn Zeilen. Das deckt die meisten Fälle ab: Mail, Absage, Zusammenfassung, Gliederung, Übersetzung, Tabellenauswertung. Für wiederkehrende Aufgaben mit festem Ablauf sind auch eine oder zwei Seiten sinnvoll, zum Beispiel wenn Regeln, ein Muster und eine Ausschlussliste dazugehören. Solche langen Prompts tippt man ohnehin nicht jedes Mal neu, und genau deshalb gibt es Projekte und Skills.
Zu lang wird ein Prompt durch Wiederholungen und nicht durch die Zahl der Zeilen. Wenn dieselbe Anweisung an drei Stellen in anderen Worten steht, fängt die KI an, zwischen ihnen zu gewichten. Einmal klar hinschreiben und stehen lassen.
Ein zweiter Punkt betrifft angehängte Dateien. Wer ein 80-seitiges PDF anhängt und dazu schreibt "Fass das zusammen", bekommt eine Zusammenfassung, die auf den ersten und letzten Seiten stärker ist als in der Mitte. Besser ist es, die Aufgabe einzugrenzen: "Zieh aus dem Vertrag alle Fristen heraus, mit Seitenzahl." Das ist wieder Teil 3, eine Aufgabe statt einer Richtung.
Die fünf Fehler, an denen du einen schlechten Prompt erkennst
Einen schlechten Prompt erkennst du daran, dass du nach dem Lesen der Antwort anfängst nachzubessern, und dahinter stecken fast immer dieselben fünf Ursachen. Hier stehen sie in der Reihenfolge, in der sie uns begegnet sind.
Der Kontext fehlt. Das Ergebnis klingt wie aus einem Ratgeber. Du erkennst es daran, dass darin kein einziger Name, kein Datum und keine Zahl aus deinem Fall vorkommt. Nachtragen, was ein neuer Mitarbeiter am ersten Tag fragen würde.
Das Format fehlt. Das Ergebnis ist doppelt so lang wie gewollt und hat Zwischenüberschriften, die du löschst. Eine Zeile nachtragen: Länge, Form, was außenrum nicht stehen darf.
Der Prompt verlangt mehrere Dinge auf einmal. Du bekommst zu jedem Punkt einen Anfang und zu keinem ein Ende. Den Prompt teilen, die Teile nacheinander abschicken.
Der Prompt beschreibt, statt zu verlangen. Sätze wie "Es wäre gut, wenn der Text professionell klingt" enthalten keine Anweisung, die sich befolgen lässt. Aus jeder Beschreibung eine prüfbare Angabe machen: "Keine Ausrufezeichen, keine Superlative, Sätze unter 20 Wörtern."
Der Prompt lässt Raum zum Ausschmücken. Das Ergebnis enthält Zusagen, Zahlen oder Fakten, die du nie genannt hast. Die Gegenmaßnahme ist ein Satz: "Erfinde nichts dazu, was oben nicht steht. Wenn eine Angabe fehlt, schreib das hin." Bei allem, was ein Kunde schriftlich bekommt, gehört dieser Satz bei uns dazu.
Ein sechster Punkt ist kein Fehler im Prompt und sieht oft so aus: Wenn dieselbe Anfrage gestern gut lief und heute nicht, liegt das manchmal am Limit deines Plans oder daran, dass du in einem anderen Modell gelandet bist. Bei ChatGPT und Claude hängt beides am Abo, und beide Anbieter rechnen Länge und Komplexität der Unterhaltung mit ein. Wenn die Antworten im Lauf eines langen Chats spürbar flacher werden, hilft oft ein neuer Chat mit demselben Prompt.
Was du tust, wenn die erste Antwort nicht passt
Wenn die erste Antwort nicht passt, ergänzt du die fehlende Angabe im selben Chat, statt den Prompt neu zu schreiben, und in neun von zehn Fällen reicht ein einziger Satz. Das ist die gewöhnlichste Situation überhaupt, und sie ist kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch gemacht hast.
Der Satz, der dabei am meisten bringt, ist eine Diagnose statt einer Wiederholung. "Zu lang, kürz auf 100 Wörter" ist besser als den ganzen Prompt noch einmal zu schicken. "Der Ton ist zu förmlich, wir duzen" ist besser als "mach es lockerer". "Der dritte Absatz stimmt nicht, wir haben nie einen Rückruf zugesagt" ist besser als "schreib es neu".
Es gibt zwei Situationen, in denen ein neuer Chat besser ist. Die erste: Du hast dreimal nachgebessert und die Antwort bewegt sich nicht mehr. Dann nimmt die KI zu viel aus den vorherigen Fassungen mit. Die zweite: Du wechselst das Thema. Ein Chat, in dem erst eine Zahlungserinnerung und dann eine Stellenanzeige entstehen soll, liefert eine Stellenanzeige mit dem Ton einer Zahlungserinnerung.
Und dann gibt es den Fall, der sich lohnt: Wenn du eine Nachbesserung zum zweiten Mal tippst, gehört sie in den Prompt und nicht mehr in den Chat. Bei uns sind so über Monate die Ausschluss-Listen entstanden, die heute in den Vorlagen stehen.
Was bei Claude anders ist als bei ChatGPT
Die fünf Teile gelten bei Claude genauso wie bei ChatGPT, der Unterschied liegt darin, wo du die Angaben ablegst, die sich nicht ändern. Bei Claude gibt es dafür drei Orte, und wer sie nutzt, tippt Rolle und festen Kontext kein zweites Mal.
Projekte. Ein Projekt ist ein abgetrennter Bereich mit eigenem Wissen. Dort legst du einmal ab, wer du bist, für wen du schreibst, wie ihr anredet und welche Muster gelten. Im Chat tippst du danach nur noch die Aufgabe und den Kontext des Einzelfalls. Wie Projekte und das Gedächtnis von Claude zusammenspielen und was jeweils gespeichert wird, steht im Artikel zu Claude Memory und Projekten.
Skills. Ein Skill ist ein Ordner mit Anweisungen, den Claude nur dann lädt, wenn die Aufgabe dazu passt. Das ist der Ort für lange Prompts mit festem Ablauf, etwa den Protokoll-Prompt von oben samt Regeln und Muster. Skills stehen laut Anthropic in allen Plänen von Free bis Enterprise zur Verfügung, vorausgesetzt die Code-Ausführung ist eingeschaltet (Quelle: support.claude.com, abgerufen am 15.09.2026). Was ein Skill genau ist und wie der erste eigene entsteht, steht im Artikel zu Claude Skills.
Das Gedächtnis. Claude merkt sich über Chats hinweg Angaben zu deiner Rolle, deinen Projekten und deiner Arbeitsweise. Bei Free, Pro und Max ist das Gedächtnis standardmäßig eingeschaltet, bei Team und Enterprise standardmäßig aus, dort schaltet es der Inhaber des Kontos frei (Quelle: support.claude.com, abgerufen am 15.09.2026).
Die Faustregel, nach der wir das entscheiden, ist simpel. Was einmal vorkommt, bleibt im Chat. Was in einem Bereich immer gilt, kommt ins Projekt. Was immer gleich abläuft und länger als ein Absatz ist, wird ein Skill. Fertige Vorlagen für den Alltag, die in beiden Werkzeugen unverändert funktionieren, stehen in unserer Sammlung mit ChatGPT-Prompts auf Deutsch. Welches der beiden Werkzeuge zu deiner Arbeit passt, steht im Vergleich Claude oder ChatGPT.
Wie aus einem guten Prompt eine Vorlage wird, die du nie wieder tippst
Aus einem guten Prompt wird eine Vorlage, indem du ihn nach dem Einsatz an einem Ort ablegst, an dem du ihn in unter zehn Sekunden wiederfindest, und ihn nach jedem weiteren Einsatz um die eine Zeile ergänzt, die gefehlt hat. Mehr ist es nicht, und es ist der Schritt, der aus Prompt-Schreiben gesparte Zeit macht.
Der Ort muss zwei Bedingungen erfüllen: Du findest den Prompt schnell, und du kannst ihn ändern. Eine Notiz-App, ein Ordner mit Textdateien, ein Notion-Board oder unsere Prompt-Datenbank erfüllen beides. Ein ausgedrucktes PDF erfüllt die zweite nicht, und genau das Ändern ist der Teil, der die Sammlung mit der Zeit besser macht als jede Liste aus dem Netz.
Der Ablauf, der bei uns läuft, hat vier Schritte. Erstens: Jeder Prompt, der ein Ergebnis geliefert hat, das du verschickt hast, wird kopiert und abgelegt. Zweitens: Die Angaben, die bei dir immer gleich sind, werden fest eingetragen, also Beruf, Zielgruppe, Anrede. Was sich ändert, kommt in eckige Klammern. Drittens: Nach jedem Einsatz wandert die Nachbesserung, die du in den Chat getippt hast, in den Prompt. Viertens: Sobald ein Prompt zum dritten Mal in kurzer Zeit läuft, wird aus ihm ein Projekt oder ein Skill, und du tippst ihn nie wieder.
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Der Weg vom einmaligen Prompt zur Vorlage hat vier Schritte: ablegen, Klammern setzen, nach jedem Einsatz die Korrektur nachtragen, und ab dem dritten Einsatz ein Projekt oder einen Skill daraus machen.
Daniels Wissens-System ist genau so entstanden, ein Prompt nach dem anderen. Was drei Wochen überlebt hat, ist heute einer von über 60 eigenen Skills, darunter einer, der aus einer groben Anfrage einen vollständigen Prompt mit allen fünf Teilen macht. Und der Ablauf, mit dem 2026 vier Blog-Systeme und über 80 SEO-Artikel entstanden sind, ist im Kern nichts anderes als diese fünf Teile, nur auf mehrere Dateien verteilt: die Rolle in einer Datei, der Kontext in einem Fakten-Blatt, die Aufgabe in einer Vorlage, das Format in den Regeln und das Beispiel im zuletzt fertiggestellten Artikel.
ChatGPT ist eine Marke von OpenAI, Claude eine Marke von Anthropic PBC. KI.ohne.Team steht in keiner Verbindung zu diesen Unternehmen.
Fazit
Ein guter Prompt sagt, wer antwortet, was die KI über deinen Fall weiß, was genau zu tun ist, wie das Ergebnis aussieht und woran sie sich ausrichtet. Fehlt eine dieser fünf Angaben, füllt die KI sie mit dem Durchschnitt, und den erkennst du daran, dass du anfängst nachzubessern. Die elf Zeilen, die ein guter Prompt länger ist, kosten anderthalb Minuten und sparen dir das Umschreiben. Und wenn dieselbe Aufgabe zum dritten Mal kommt, tippst du sie nicht mehr.
Häufige Fragen
Was bedeutet Prompt?
Prompt ist das englische Wort für Aufforderung oder Stichwort. Bei einer KI meint es die Eingabe, mit der du ein Ergebnis anforderst, also alles, was du in das Eingabefeld von ChatGPT, Claude oder Gemini tippst. Eine einzelne Frage ist ein Prompt, ein halbseitiger Auftrag mit angehängter Datei ist auch einer. Der Begriff stammt aus der Kommandozeile alter Computer, wo ein Zeichen mit blinkendem Cursor zur Eingabe auffordert.
Was ist ein Prompt bei ChatGPT?
Bei ChatGPT ist der Prompt die Nachricht, die du ins Chatfenster schreibst und abschickst. Jede weitere Nachricht im selben Chat ist ebenfalls ein Prompt, und ChatGPT sieht die vorherigen Nachrichten mit. Deshalb musst du im zweiten Prompt nicht wiederholen, worum es geht. Für ein neues Thema lohnt sich ein neuer Chat, weil der Ton aus der alten Unterhaltung sonst mitgeht.
Wie schreibt man einen guten Prompt?
Ein guter Prompt enthält fünf Angaben: eine Rolle (wer antwortet), den Kontext (was die KI über deinen Fall wissen muss), eine einzige Aufgabe, ein Format (Länge, Reihenfolge, was nicht drinstehen darf) und wenn möglich ein Beispiel. Der schnellste Weg: Beschreib zuerst das Ergebnis, das du erwartest, und ergänze danach die Angaben, ohne die es nicht zustande kommt. Was nach dem ersten Durchgang abweicht, ergänzt du im selben Chat.
Was ist ein Prompt-Framework?
Ein Prompt-Framework ist ein festes Schema für die Reihenfolge der Angaben in einem Prompt, meist mit einem Kürzel aus den Anfangsbuchstaben, zum Beispiel RTF für Role, Task, Format. Die bekannten Frameworks enthalten dieselben Angaben in anderer Reihenfolge: wer, was, wozu, in welcher Form, mit welcher Einschränkung. Die Reihenfolge ändert bei kurzen Prompts nichts am Ergebnis, die Vollständigkeit schon. Bei RTF fehlt zum Beispiel der Kontext, und daran hängen die meisten schwachen Ergebnisse.
Welche Prompt-Techniken gibt es?
Vier lohnen sich im Alltag: Rollenanweisung (festlegen, aus welcher Sicht geantwortet wird), Beispiel-Prompting (ein bis drei fertige Muster anhängen), Zwischenschritte verlangen (die KI rechnet sichtbar Schritt für Schritt, bevor sie das Ergebnis nennt) und Aufgabenkette (eine große Aufgabe auf mehrere Prompts verteilen). Alle vier sind Varianten der fünf Teile. Wenn ein Ergebnis nicht passt, fehlt in neun von zehn Fällen keine Technik. Es fehlt eine Angabe.
Wie lang darf ein Prompt sein?
So lang, wie er Angaben enthält, die das Ergebnis verändern. Für die meisten Alltagsaufgaben reichen drei bis fünfzehn Zeilen. Längere Prompts mit Regeln, Muster und Ausschlussliste sind sinnvoll bei wiederkehrenden Aufgaben, die immer gleich ablaufen, und die legst du als Projekt oder Skill ab, statt sie jedes Mal neu zu tippen. Zu lang wird ein Prompt durch Wiederholungen: Wenn dieselbe Anweisung dreimal in anderen Worten dasteht, gewichtet die KI zwischen ihnen.
Funktionieren dieselben Prompts in Claude und ChatGPT?
Ja, die fünf Teile funktionieren bei jeder KI gleich, und ein Prompt lässt sich unverändert von einem Werkzeug ins andere kopieren. Der Unterschied liegt darin, wo du Angaben ablegst, die sich nicht ändern. Bei ChatGPT sind das die Benutzerdefinierten Anweisungen und Projekte, bei Claude Projekte, das Gedächtnis und Skills. Wer das nutzt, tippt Rolle und festen Kontext kein zweites Mal.
Welche Prompts bei uns diese Woche laufen
Die fünf Teile sind der Rahmen, und was darin steht, ändert sich bei uns fast jede Woche. In der Prompt-Datenbank liegen die Prompts, die bei uns tatsächlich im Einsatz sind, sortiert nach Aufgabe und mit den Platzhaltern zum Ausfüllen, dazu die Zeilen, die nachträglich dazugekommen sind, weil beim ersten Durchgang etwas gefehlt hat. Im Newsletter schreiben wir jede Woche, welcher Prompt neu dazugekommen ist, wofür er gedacht war und was beim ersten Durchlauf nicht funktioniert hat. Wer mit Prompts anfängt, nimmt am besten einen, der bei jemand anderem schon drei Wochen im Einsatz ist.
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Weniger selber machen →Führt mit Daniel Walter mehrere Unternehmen ohne zusätzliches Team. Baut die Agenten und Workflows, die die Community nutzt, und schreibt hier auf, was davon im Alltag hält.


