System-Prompt, Mega-Prompt, Prompt-Chaining: was die Begriffe heißen und wann du sie brauchst

Ein System-Prompt ist die Anweisung, die du einmal hinterlegst und die danach bei jedem Chat mitläuft, ohne dass du sie erneut tippst: wer du bist, für wen du arbeitest, wie die Antwort aussehen soll. Ein Mega-Prompt ist dagegen eine einzelne, sehr lange Anweisung für eine einzige große Aufgabe. Ein Prompt-Template ist eine Vorlage mit Lücken zum Ausfüllen. Und Prompt-Chaining heißt, dass du eine große Aufgabe in mehrere Prompts zerlegst und das Ergebnis des einen als Eingabe des nächsten nimmst. Vier Begriffe, vier verschiedene Werkzeuge, und die meisten Texte dazu erklären sie in der Sprache von Entwicklern. Hier steht zu jedem Begriff, was das Wort heißt, an welcher Stelle in ChatGPT, Claude und Gemini du ihn hinterlegst, und ein vollständiges Beispiel, das du kopieren kannst.
Wir führen mehrere Unternehmen ohne zusätzliches Team und arbeiten beide täglich in Claude Code und Claude Cowork. Das Wissens-System von Daniel, ein Obsidian-Vault namens daniel.OS, enthält über 60 eigene Skills, und darunter liegt genau die Mechanik, die in diesem Artikel steht: eine Anweisungsdatei, die immer mitläuft, Vorlagen mit Lücken, und Aufgaben, die in Ketten laufen statt in einem großen Prompt. Die Begriffe sind der langweiligste Teil davon. Deshalb kommen sie hier zuerst weg, und danach geht es um die Stellen, an denen du sie eingibst.
// Das Wichtigste in Kürze
- System-Prompt: einmal hinterlegt, läuft bei jedem Chat mit. Bei ChatGPT unter Einstellungen, Personalisierung, Custom Instructions. Bei Claude in den Projekt-Anweisungen. Bei Gemini in einem Gem.
- Mega-Prompt: eine einzige lange Anweisung für eine große Aufgabe, meist 200 bis 600 Wörter, mit Rolle, Material, Ablauf, Format und Ausschlüssen.
- Prompt-Template: eine Vorlage mit Lücken in eckigen Klammern, die du vor jedem Einsatz füllst.
- Prompt-Chaining: eine Aufgabe in 3 bis 5 Prompts zerlegen, jeder nimmt das Ergebnis des vorherigen. Im Artikel steht eine Kette aus 4 Schritten komplett ausgeschrieben.
- Faustregel: 1 Ergebnis, 1 Prompt. Mehrere Ergebnisse, die aufeinander folgen, werden eine Kette.
- Für einen Großteil der Alltagsaufgaben brauchst du nichts davon. Der Abschnitt dazu steht weiter unten und ist der ehrlichste im Artikel.
Was ist ein System-Prompt?
Ein System-Prompt ist die Anweisung, die vor deiner eigentlichen Frage steht und bei jeder Nachricht in diesem Chat mitgelesen wird, ohne dass du sie wiederholst. Er beschreibt die Rolle, die Dauerregeln und den Kontext, der sich nicht ändert: dass du Steuerberaterin bist, dass deine Kunden Handwerksbetriebe sind, dass Antworten kurz sein sollen und ohne Ausrufezeichen.
Der Unterschied zum normalen Prompt ist die Lebensdauer. Ein normaler Prompt gilt für eine Antwort. Ein System-Prompt gilt für alle Antworten, bis du ihn änderst. Deshalb steht in einem System-Prompt nie eine Aufgabe. Er ist die Grundeinstellung, der Prompt im Chatfenster ist der Auftrag.
Das Wort kommt aus der Programmierung. Wer eine KI über eine Programmierschnittstelle anspricht, schickt die Nachrichten in Rollen: system für die Grundanweisung, user für die Frage, assistant für die Antwort. Die Oberflächen von ChatGPT, Claude und Gemini machen dasselbe, nennen es nur anders: Custom Instructions, Projekt-Anweisungen, Gem. Wenn du in einem englischen Text "system prompt" liest und in deiner Oberfläche keins findest, suchst du nach dem falschen Wort und nicht nach der falschen Funktion.
Was ein einzelner guter Prompt enthalten muss, steht im Artikel Was ist ein guter Prompt. Hier geht es um die Ebene darüber: die Anweisung, die du nur einmal schreibst.
Wo du den System-Prompt in ChatGPT hinterlegst
In ChatGPT heißt der System-Prompt Custom Instructions und liegt unter Einstellungen, Personalisierung, Custom Instructions. Dort stehen zwei Felder: eines für Angaben über dich, eines dafür, wie ChatGPT antworten soll. Was du dort einträgst, läuft danach in jedem neuen Chat mit, in der App genauso wie im Browser.
Ein vollständiges Beispiel, Feld 1, Angaben über dich:
Ich bin selbstständige Steuerberaterin in Dortmund mit 3 Angestellten.
Meine Mandanten sind Handwerksbetriebe mit 2 bis 20 Mitarbeitern, dazu etwa 40 Einzelunternehmer.
Ich schreibe fast täglich Mandantenmails, Notizen aus Beratungsgesprächen und kurze Erklärtexte zu Steuerthemen.
Meine Mandanten haben kein Steuerwissen, aber sehr viel Erfahrung in ihrem Handwerk.
Ich duze die meisten Mandanten, die Großkunden sieze ich.
Und Feld 2, wie ChatGPT antworten soll:
Antworte auf Deutsch, in kurzen Sätzen, höchstens 150 Wörter, wenn ich nichts anderes sage.
Erklär Steuerbegriffe beim ersten Vorkommen in einem Halbsatz.
Keine Ausrufezeichen, keine Emojis, keine Gedankenstriche.
Keine Einleitung wie "Gerne helfe ich dir dabei". Fang mit der Antwort an.
Wenn dir für eine gute Antwort eine Angabe fehlt, frag genau eine Rückfrage, statt zu raten.
Bei rechtlichen und steuerlichen Aussagen: nenn die Rechtsgrundlage oder sag, dass du sie nicht sicher weißt.
Diese zwei Felder sind der komplette System-Prompt in ChatGPT. Ab jetzt reicht im Chat die Aufgabe: "Erklär einem Dachdecker in 5 Sätzen, warum er die Rechnung für den Firmenwagen aufheben muss." Die Rolle, die Zielgruppe, die Länge und der Ton stehen schon.
Ein zweiter Ort in ChatGPT sind Projekte. Ein Projekt hat eigene Anweisungen, die nur für Chats in diesem Projekt gelten, und laut der Plus-Beschreibung bis zu 25 Dateien pro Projekt (Stand: 16. September 2026, Euro-Preis im Checkout prüfen). Damit lässt sich die Trennung anlegen, die im Alltag am meisten spart: ein Projekt für Mandantenkommunikation, eines für Blogtexte, eines für interne Abläufe. Der globale System-Prompt gilt überall, der Projekt-Prompt nur dort.
Wo du den System-Prompt in Claude hinterlegst
In Claude liegt der System-Prompt in den Projekt-Anweisungen: Du legst ein Projekt an, öffnest dort das Feld für Anweisungen und schreibst hinein, was für alle Chats in diesem Projekt gelten soll. Daneben gibt es die allgemeinen Einstellungen für Stil und Antwortverhalten, die über allen Chats liegen.
Ein vollständiges Beispiel für die Anweisungen eines Claude-Projekts "Mandantenkommunikation":
Rolle: Du bist meine Assistenz für die schriftliche Kommunikation mit Mandanten.
Über mich: Steuerberaterin in Dortmund, 3 Angestellte, Mandanten sind Handwerksbetriebe mit 2 bis 20 Mitarbeitern.
Wissen: In den Projektdateien liegen unsere Leistungsübersicht, die Preisliste und 6 freigegebene Mustermails.
Halte dich an den Ton dieser Mustermails.
Für jede Antwort gilt:
- Deutsch, kurze Sätze, höchstens 150 Wörter, wenn ich nichts anderes sage.
- Anrede: du, außer ich schreibe "siezen" dazu.
- Keine Ausrufezeichen, keine Emojis, keine Gedankenstriche.
- Fachbegriffe beim ersten Vorkommen in einem Halbsatz erklären.
- Keine Zahl, kein Datum, keine Rechtsgrundlage erfinden. Was du nicht aus meinem Text oder den Projektdateien hast, markierst du mit [PRÜFEN].
- Fehlt dir eine Angabe, stell genau eine Rückfrage, bevor du schreibst.
Am Ende jeder Mail: nur der Text, kein Kommentar dazu, keine Nachfrage, ob du noch helfen kannst.
Der Unterschied zu ChatGPT liegt in den Dateien. Was du in ein Claude-Projekt legst, ist statisches Wissen, das immer mitgelesen wird. Daneben gibt es Memory, den wachsenden Kontext, den Claude sich aus Chats merkt: Rolle, Projekte, beruflicher Kontext, Personen, Kommunikationsstil. Jedes Projekt hat einen eigenen Memory-Raum, daneben liegt das globale Memory außerhalb der Projekte. In Free, Pro und Max ist Memory standardmäßig an, in Team und Enterprise standardmäßig aus, bis der Owner es freischaltet (Quelle: support.claude.com, "Using memory and personalization with Claude", abgerufen 16. September 2026). Welche Einstellung was macht und wie du Memory pausierst oder löschst, steht im Artikel zu Claude Memory und Projekten.
Die Aufteilung, die bei uns läuft: Anweisungen sind die Regeln, Dateien sind das Wissen, Memory ist das, was Claude nebenbei über die Arbeitsweise lernt. Wer alles drei in die Anweisungen schreibt, hat einen Text, den er nach 3 Wochen selbst nicht mehr ändern mag.
Wo du den System-Prompt in Gemini hinterlegst
In Gemini heißt die Stelle Gems: Du legst ein Gem an, gibst ihm einen Namen und schreibst die Dauer-Anweisung hinein, danach startest du Chats direkt in diesem Gem. Gems sind laut Anbieterseite auch im kostenlosen Zugang enthalten (Quelle: gemini.google/subscriptions, abgerufen 16. September 2026).
Ein Beispiel für ein Gem mit dem Namen "Mandantenmail":
Du schreibst kurze Mails an Handwerksbetriebe im Namen einer Steuerberaterin aus Dortmund.
Der Leser hat kein Steuerwissen und wenig Zeit.
Jede Mail: höchstens 120 Wörter, du-Anrede, ein Gedanke pro Satz, am Ende genau eine konkrete Frage oder eine konkrete Handlung.
Keine Ausrufezeichen, keine Emojis, keine Gedankenstriche, keine Einleitungsfloskel.
Zahlen, Fristen und Paragrafen übernimmst du nur aus meinem Text. Was fehlt, markierst du mit [PRÜFEN].
Dasselbe Prinzip, dasselbe Ergebnis, ein anderer Menüpunkt. Genau das ist der Grund, warum der Begriff System-Prompt in Anleitungen so oft für Verwirrung sorgt: Er beschreibt eine Funktion, kein Feld mit diesem Namen.
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Der System-Prompt liegt über allem und enthält die Dauerregeln, der Prompt im Chatfenster enthält die Aufgabe, und die Namen der Felder heißen Custom Instructions, Projekt-Anweisungen und Gem.
// Aus der Community
Im KI Hub liegen unsere Anweisungs-Dateien und die Ketten nach Anwendungsfall sortiert, fertig zum Kopieren.
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Was in einen System-Prompt gehört und was nicht
In den System-Prompt gehört alles, was in 3 Monaten noch stimmt, und nichts, was zu einem einzelnen Auftrag gehört. Das ist der ganze Filter, und er reicht für 9 von 10 Entscheidungen.
Hinein gehören: wer du bist und für wen du arbeitest, wer deine Kunden sind und was sie nicht wissen, die Anrede, die maximale Länge, die Wörter und Zeichen, die nie vorkommen dürfen, und die Regel, was passiert, wenn eine Angabe fehlt. Der letzte Punkt ist der, den fast alle weglassen und der am meisten spart: "Frag genau eine Rückfrage, statt zu raten" verhindert drei Viertel der Antworten, die nach Nacharbeit riechen.
Heraus gehören: der Kunde, um den es heute geht, das Datum, der Betrag, die konkrete Aufgabe und jede Anweisung, die nur diese eine Woche gilt. Sobald du in deinem System-Prompt einen Namen liest, gehört die Zeile in den Chat.
Zur Länge gibt es keine amtliche Obergrenze, die Anbieter nennen keine feste Zahl an Zeichen für diese Felder. Praktisch hat sich bei uns etwas zwischen 100 und 300 Wörtern als brauchbar herausgestellt. Darunter fehlen die Ausschlüsse, darüber fängt der Text an, sich selbst zu widersprechen, und dann kommt die Antwort, die keine der Regeln richtig befolgt. Wenn du das Gefühl hast, deine Regeln passen nicht mehr in 300 Wörter, hast du wahrscheinlich zwei Rollen in einem Feld und brauchst zwei Projekte.
Was ist ein Mega-Prompt?
Ein Mega-Prompt ist eine einzelne, sehr lange Anweisung für eine große Aufgabe, in der Rolle, Material, Ablauf, Format und Ausschlüsse alle in einem Block stehen, meist 200 bis 600 Wörter. Er ist kein besserer Prompt, er ist ein längerer, und er lohnt sich genau dann, wenn eine Aufgabe viele Vorgaben hat und trotzdem in einem Durchgang fertig sein soll.
Ein vollständiges Beispiel, ein Mega-Prompt für ein Angebot aus Gesprächsnotizen:
Du bist meine Assistenz für Angebote. Ich bin freie Grafikerin und arbeite für kleine Dienstleister und Handwerksbetriebe.
Material:
Notizen aus dem Erstgespräch: [Notizen, auch unsortiert]
Kunde: [Firma, Branche, Größe]
Mein Stundensatz: [Betrag] Euro netto. Vorgesehener Umfang: [Stunden].
Was ich nicht anbiete: [Liste]
Aufgabe:
Schreib ein Angebot mit genau diesen 6 Abschnitten in dieser Reihenfolge:
1. Ausgangslage: was der Kunde selbst über seine Situation gesagt hat, in seinen Worten, 3 bis 4 Sätze.
2. Ziel: woran der Kunde in 3 Monaten merkt, dass es funktioniert hat. Eine messbare Angabe, wenn die Notizen eine hergeben.
3. Leistung: was ich mache, als Liste mit höchstens 6 Punkten, jeder Punkt eine Handlung mit Ergebnis.
4. Ablauf: die Termine und Zwischenstände, als Tabelle mit den Spalten Schritt, Was passiert, Was ich vom Kunden brauche.
5. Preis: Gesamtsumme netto, Zahlungsziel 14 Tage, ein Satz dazu, was nicht enthalten ist.
6. Nächster Schritt: eine konkrete Handlung mit Datum.
Format:
Höchstens 450 Wörter im Fließtext, die Tabelle zählt nicht mit. Anrede [du oder Sie].
Kurze Sätze. Keine Ausrufezeichen, keine Emojis, keine Gedankenstriche.
Ausschlüsse:
Erfinde keine Zahl, kein Datum und keine Leistung, die nicht in den Notizen steht. Was fehlt, markierst du mit [FEHLT] und listest es am Ende unter "Das brauche ich noch von dir".
Keine Rabatte, keine Aufzählung von Referenzen, kein Schlusssatz über gute Zusammenarbeit.
Das ist ein Mega-Prompt: eine Aufgabe, viele Vorgaben, ein Durchgang. Der Teil, der ihn nützlich macht, sind die Ausschlüsse ganz unten. Ohne sie bekommst du erfundene Termine und einen Rabattvorschlag, den du nie angeboten hast.
Eine Warnung zum Begriff selbst: "mega prompt" ist ein Marketingwort aus englischen Prompt-Sammlungen, keine Funktion in einer Oberfläche. Du findest dafür keinen Menüpunkt und keine Einstellung. Es ist einfach ein langer Prompt, und wer ihn so nennt, verkauft meistens eine Liste davon.
Wann ein Mega-Prompt der falsche Griff ist
Ein Mega-Prompt ist der falsche Griff, sobald die Aufgabe mehrere Ergebnisse hat, die aufeinander folgen, weil du dann in einem Durchgang über etwas entscheiden musst, das du noch nicht gesehen hast. Genau da fängt Prompt-Chaining an.
Drei Anzeichen, an denen du es merkst. Erstens: Du liest die Antwort und musst an drei Stellen gleichzeitig korrigieren, weil Abschnitt 2 falsch ist und die Abschnitte 3 bis 6 darauf aufsetzen. Zweitens: Du willst nach dem ersten Teil etwas ändern und musst den ganzen Prompt neu schicken. Drittens: Der Prompt enthält zwei Verben auf derselben Ebene, also "Fass zusammen und schreib daraus eine Mail".
Der Preis eines Mega-Prompts ist immer derselbe: Er ist schnell, wenn er passt, und teuer, wenn er nicht passt. Bei Aufgaben, die du zum ersten Mal machst, weißt du vorher nicht, welcher der beiden Fälle eintritt.
Was ist ein Prompt-Template?
Ein Prompt-Template, auf Deutsch eine Prompt-Vorlage, ist ein fertig formulierter Prompt mit Lücken in eckigen Klammern, die du vor jedem Einsatz füllst. Es ist die einfachste der vier Sachen in diesem Artikel und die, die im Alltag am meisten spart.
Ein Beispiel für eine Vorlage, die bei einer Steuerkanzlei jede Woche läuft:
Ein Mandant hat gefragt: [Frage im Wortlaut].
Mandant: [Firma, Branche, Rechtsform]. Bekanntes Vorwissen: [gering / mittel].
Antworte in höchstens 120 Wörtern, du-Anrede, ein Gedanke pro Satz.
Erklär jeden Fachbegriff beim ersten Vorkommen in einem Halbsatz.
Nenn zu jeder Aussage, die auf einer Regel beruht, die Rechtsgrundlage, oder schreib "Rechtsgrundlage [PRÜFEN]".
Am Ende genau eine Frage, die ich brauche, um den Fall abschließen zu können.
Drei Regeln, die eine Vorlage von einem Text unterscheiden, den du eh jedes Mal neu tippst. Erstens: Lücken immer in eckigen Klammern, nie in Fließtext versteckt. Zweitens: Lücken, die bei dir immer gleich sind, füllst du einmal dauerhaft aus, also Beruf, Zielgruppe, Anrede. Drittens: Nach jedem Einsatz ergänzt du die eine Zeile, die gefehlt hat. Nach 5 Einsätzen sind die Vorlagen besser als alles, was du fertig herunterladen kannst.
Eine Sammlung solcher Vorlagen für den Unternehmeralltag steht in unserem Artikel mit 40 ChatGPT-Prompts auf Deutsch, sortiert nach Bereich, alle mit Klammern zum Ausfüllen. Der Unterschied zum System-Prompt: Die Vorlage enthält die Aufgabe, der System-Prompt nie.
Wohin die Vorlagen kommen, ist fast egal, solange zwei Dinge stimmen: Du findest die richtige in unter 10 Sekunden, und du kannst sie ändern. Eine Notiz-App, ein Ordner mit Textdateien, ein Notion-Board. Eine PDF-Sammlung ist der einzige Ort, der nicht funktioniert, weil du darin nichts ändern kannst, und das Ändern ist der Teil, der aus 10 Vorlagen deine eigenen macht.
Was ist Prompt-Chaining?
Prompt-Chaining heißt, eine große Aufgabe in mehrere Prompts zu zerlegen und das Ergebnis jedes Schritts als Eingabe des nächsten zu verwenden. Statt einer langen Anweisung schickst du 3 bis 5 kurze hintereinander und prüfst nach jedem Schritt, bevor es weitergeht.
Der Begriff kommt aus derselben Ecke wie der System-Prompt und klingt technischer, als er ist. Im Chatfenster ist eine Kette einfach das, was ohnehin passiert, wenn du eine Antwort bekommst, sie ansiehst und darauf aufsetzt. Der Unterschied zwischen einer zufälligen Folge von Nachrichten und einer Kette ist, dass du die Schritte vorher festlegst und nach jedem Schritt genau eine Sache prüfst.
Drei Gründe, warum Ketten bei größeren Aufgaben bessere Ergebnisse liefern als ein Mega-Prompt. Erstens die Prüfstellen: Wenn Schritt 2 daneben liegt, korrigierst du Schritt 2 und die restlichen Schritte laufen auf dem korrigierten Stand. Zweitens die Konzentration: Ein Prompt mit einer Aufgabe bekommt eine ganze Antwort, ein Prompt mit vier Aufgaben bekommt vier Viertel-Antworten. Drittens die Wiederverwendung: Einzelne Schritte einer Kette lassen sich in anderen Ketten wiederverwenden, ein 500-Wörter-Block nicht.
Die Kosten sind auch klar: Eine Kette dauert länger, weil du dreimal liest und dreimal weiterschickst, und sie verbraucht mehr von deinem Nutzungs-Limit. Bei Claude wird der Verbrauch unter anderem von der Länge und Komplexität der Konversation beeinflusst, das Sitzungs-Limit setzt sich alle 5 Stunden zurück, daneben läuft ein wöchentliches Limit (Quelle: support.claude.com, "How do usage and length limits work?", abgerufen 16. September 2026). Für die eine große Aufgabe am Montagmorgen ist das kein Thema. Für eine Kette, die du 40 Mal am Tag laufen lässt, schon.
Die Kette an einem Beispiel: aus einem Kundengespräch wird ein Angebot
Die folgende Kette hat 4 Schritte und macht aus unsortierten Notizen eines Erstgesprächs ein fertiges Angebot plus die Mail dazu. Jeder Prompt steht vollständig da, du kannst sie nacheinander in denselben Chat kopieren.
Der Ausgangspunkt: Du hast 40 Minuten mit einer Kundin gesprochen und während des Gesprächs 15 Zeilen Stichworte getippt, halb ganze Sätze, halb Abkürzungen. Aus denen soll bis heute Abend ein Angebot werden.
Schritt 1: Die Notizen sortieren
Hier sind meine Notizen aus einem Erstgespräch mit [Kundin, Firma, Branche]: [Notizen].
Sortier sie in 5 Gruppen und gib mir das Ergebnis als Liste:
1. Was die Kundin als Problem beschrieben hat, in ihren Worten.
2. Was sie sich als Ergebnis wünscht.
3. Was sie bisher selbst versucht hat.
4. Harte Angaben: Zahlen, Termine, Namen, Budget.
5. Was in den Notizen fehlt und was ich für ein Angebot noch fragen muss.
Interpretier nichts. Was du nicht in den Notizen findest, kommt in Gruppe 5, nicht in die Gruppen 1 bis 4.
Der Prüfschritt hier dauert 30 Sekunden: Steht in Gruppe 1 wirklich, was die Kundin gesagt hat, oder eine geglättete Fassung davon? Gruppe 5 ist der Teil, für den sich der ganze Schritt lohnt. Dort steht in der Regel eine Frage, die du im Gespräch übersehen hast, und die schickst du der Kundin, bevor du weiterarbeitest.
Schritt 2: Aus dem sortierten Material die Leistung ableiten
Nimm die Gruppen 1 bis 4 von oben.
Schlag mir 3 Zuschnitte für meine Leistung vor, als Tabelle mit den Spalten: Name des Pakets, Was drin ist (höchstens 4 Punkte), Für welches Problem aus Gruppe 1, Aufwand in Stunden, Preis bei [Betrag] Euro Stundensatz.
Paket 1 ist der kleinste sinnvolle Zuschnitt, Paket 3 der vollständige.
Nimm nur Leistungen, die zu einem Punkt aus Gruppe 1 oder 2 gehören. Was zu keinem Punkt gehört, lass weg.
Danach 3 Sätze, welches Paket du an meiner Stelle vorschlagen würdest und warum.
Hier liegt die eigentliche Entscheidung des ganzen Vorgangs, und genau deshalb steht sie in einem eigenen Schritt. In einem Mega-Prompt wäre das ein Nebensatz, und du würdest den Preis erst im fertigen Angebot lesen. Der Prüfschritt: Passt der Aufwand zu deiner Erfahrung? Wenn eine Zeile daneben liegt, korrigierst du sie hier in einem Satz, und Schritt 3 arbeitet mit deiner Zahl.
Schritt 3: Das Angebot schreiben
Schreib aus dem gewählten Paket [Nummer] ein Angebot mit diesen 6 Abschnitten:
Ausgangslage (in den Worten der Kundin, 3 bis 4 Sätze), Ziel, Leistung (höchstens 6 Punkte), Ablauf (Tabelle: Schritt, Was passiert, Was ich von dir brauche), Preis (Gesamtsumme netto, Zahlungsziel 14 Tage, ein Satz zu dem, was nicht enthalten ist), Nächster Schritt mit Datum.
Höchstens 450 Wörter Fließtext, Anrede [du oder Sie], kurze Sätze, keine Ausrufezeichen, keine Gedankenstriche, keine Floskel über gute Zusammenarbeit am Schluss.
Jede Zahl, jedes Datum und jeden Namen übernimmst du aus den Gruppen 1 bis 4 und aus der Tabelle. Was dir fehlt, markierst du mit [FEHLT].
Der Prüfschritt: nach [FEHLT] suchen und die Ausgangslage laut lesen. Klingt sie nach einem Satz aus dem Mund der Kundin, ist der Schritt fertig.
Schritt 4: Die Mail dazu und der Nachfass-Termin
Schreib die Mail, mit der ich das Angebot verschicke: höchstens 90 Wörter, Bezug auf unser Gespräch am [Datum], ein Satz zum Kern des Vorschlags, ein Satz zum Zahlungsziel, eine konkrete Frage zum Termin.
Danach, getrennt davon: eine Nachfass-Mail für den Fall, dass nach 7 Tagen keine Antwort kommt. Höchstens 60 Wörter, keine Entschuldigung dafür, dass ich nachfrage, keine neue Information, eine geschlossene Frage am Schluss.
Das ist die ganze Kette. Zeitaufwand bei uns: etwa 12 Minuten inklusive der drei Prüfstellen, gegenüber einer guten Stunde von Hand. Der Unterschied zum einen langen Prompt zeigt sich meistens in Schritt 2, weil dort eine Entscheidung fällt, die du sehen willst, bevor sie in einem fertigen Dokument steht.
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Die Kette hat 4 Schritte, und nach jedem Schritt prüfst du genau eine Sache, bevor du weiterschickst: ob die Notizen richtig sortiert sind, ob Aufwand und Preis passen, ob irgendwo [FEHLT] steht und ob die Mail kurz genug ist.
Woran du merkst, dass ein Schritt deiner Kette falsch geschnitten ist
Ein Schritt ist falsch geschnitten, wenn du nach ihm keine einzelne Sache prüfen kannst, ohne die Antwort zweimal zu lesen. Das ist der Test, den wir benutzen, und er ist schneller als jede Theorie über die richtige Anzahl Schritte.
Zwei typische Fehler. Der erste: Der Schritt ist zu groß, weil er zwei Entscheidungen enthält. Dann steht in einer Antwort der Umfang und der Preis und der Text, und wenn dir der Umfang nicht passt, war der ganze Rest umsonst. Zerlegen. Der zweite: Der Schritt ist zu klein, weil er nichts entscheidet. Ein Schritt, der eine Liste nur in eine andere Reihenfolge bringt, ist keiner, der ist Teil des nächsten.
Eine Kette mit mehr als 6 Schritten ist in einem Chatfenster unpraktisch, weil du dann mehr Zeit mit Kopieren verbringst als mit Prüfen. Ab dieser Größe gehört der Ablauf in eine Datei, die einmal geschrieben wird und danach als Ganzes läuft. In Claude heißt das ein Skill, bei ChatGPT ein eigener GPT.
Die vier Begriffe nebeneinander
Die vier Begriffe unterscheiden sich in einer einzigen Frage: Was gilt wie lange, und wie viele Ergebnisse kommen heraus. Die Tabelle beantwortet genau das.
| Begriff | Was es ist | Wo es liegt | Wie viele Ergebnisse |
|---|---|---|---|
| System-Prompt | Dauerregeln ohne Aufgabe | Custom Instructions, Projekt-Anweisungen, Gem | keins, gilt für alle |
| Prompt-Template | Vorlage mit Lücken, enthält die Aufgabe | deine Notiz-App oder Prompt-Sammlung | 1 pro Einsatz |
| Mega-Prompt | eine lange Anweisung, alles in einem Block | im Chatfenster | 1 großes |
| Prompt-Chaining | 3 bis 5 Prompts nacheinander | im Chatfenster, mit Prüfstellen | 3 bis 5, aufeinander folgend |
Kurz als Satz: Der System-Prompt gilt immer, das Template gilt für eine Aufgabe, der Mega-Prompt ist ein großes Template, und die Kette ist mehrere Templates hintereinander mit einem Blick dazwischen.
Die vier schließen sich nicht aus, im Gegenteil, im Alltag laufen sie zusammen. Der System-Prompt liegt im Projekt, die Kette besteht aus 4 Templates, und wenn Schritt 3 besonders viele Vorgaben hat, ist dieser eine Schritt ein Mega-Prompt. Wer die vier Begriffe als vier Werkzeuge sieht statt als vier Stufen, trifft die Entscheidung in 5 Sekunden.
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Für eine einmalige Aufgabe reicht ein normaler Prompt, für eine wöchentliche nimmst du ein Template plus System-Prompt, für ein Ergebnis mit vielen Vorgaben einen Mega-Prompt, und sobald mehrere Ergebnisse aufeinander folgen, nimmst du eine Kette.
Wann du das alles nicht brauchst
Für die meisten Aufgaben, die an einem normalen Arbeitstag anfallen, brauchst du keinen System-Prompt, keinen Mega-Prompt und keine Kette, und dieser Abschnitt ist ernst gemeint. Eine kurze Frage, ein einzelner Text, eine schnelle Zusammenfassung: Da kostet jedes dieser Werkzeuge mehr Zeit, als es spart.
Konkret: Wenn du eine Mail umformulieren, einen Absatz kürzen, ein Wort übersetzen oder eine Zahl einordnen lassen willst, tippst du die Frage und fertig. Wer dafür erst ein Projekt anlegt und Anweisungen schreibt, hat 10 Minuten in eine Aufgabe gesteckt, die 40 Sekunden dauert. Wir sehen das regelmäßig bei Leuten, die gerade angefangen haben: Sie legen in der ersten Woche 9 Projekte an und nutzen danach 2 davon.
Es gibt drei Schwellen, an denen sich die Arbeit anfängt zu lohnen, und vorher nicht:
Die dritte Wiederholung. Eine Aufgabe, die du zum dritten Mal in kurzer Zeit tippst, wird ein Template. Vorher nicht, weil du nach zwei Durchgängen noch nicht weißt, welche Zeilen wirklich gebraucht werden.
Die zweite Korrektur an derselben Stelle. Wenn du zum zweiten Mal dieselbe Sache wegkorrigierst, also die Länge oder die Ausrufezeichen oder die Anrede, gehört diese eine Zeile in den System-Prompt. Eine Zeile, nicht eine Seite.
Drei Ergebnisse, die aufeinander folgen. Erst dann lohnt sich eine Kette. Bei zwei Ergebnissen tippst du die zweite Frage einfach hinterher.
Und eine vierte Sache, die oft als Prompt-Problem auftritt und keins ist: Wenn ChatGPT im kostenlosen Zugang nach etwa 10 Nachrichten pro 5 Stunden nicht mehr antwortet (Stand: 16. September 2026), liegt das am Limit und nicht an deinem Prompt. Genauso bei Claude, wo sich das Sitzungs-Limit alle 5 Stunden zurücksetzt und zusätzlich ein Wochenlimit läuft. Eine Kette mit 5 Schritten verbraucht dabei mehr als ein Prompt, das ist der Preis der Prüfstellen.
Wann aus einer Kette ein Skill oder ein eigener GPT wird
Aus einer Kette wird ein Skill oder ein eigener GPT, sobald sie dreimal unverändert durchgelaufen ist und du die Schritte nur noch kopierst, ohne zwischendurch etwas zu ändern. Ab da bezahlst du für die Prüfstellen, ohne etwas dafür zu bekommen.
In Claude heißt die Ablage ein Skill: ein Ordner mit Anweisungen, Skripten und Ressourcen, den Claude nur dann lädt, wenn die Aufgabe dazu passt. Ein einfacher Skill ist eine einzige Markdown-Datei, ein erweiterter hat zusätzlich ausführbare Skripte dabei. Skills stehen in allen Plänen von Free bis Enterprise zur Verfügung, Voraussetzung ist, dass die Code-Ausführung aktiviert ist (Quelle: support.claude.com, "Was sind Skills?", abgerufen 16. September 2026). Wie ein Skill entsteht und was hineingehört, steht im Artikel zu Claude Skills.
In ChatGPT ist das Gegenstück ein eigener GPT: eine gespeicherte Anweisung mit eigenem Namen, eigenen Beispielen und optional eigenen Dateien, die du danach aus der Seitenleiste startest. Den Weg dorthin, Schritt für Schritt, beschreibt der Artikel zu Custom GPTs erstellen.
Bei uns ist das genau der Weg, den die über 60 Skills in Daniels Vault genommen haben: erst ein Prompt, dann ein Template mit Klammern, dann eine Kette aus mehreren Schritten, und irgendwann eine Datei, die den ganzen Ablauf enthält. Der Ablauf, mit dem 2026 über 80 SEO-Artikel für 4 Blog-Systeme mit Claude und Lovable entstanden sind, ist im Kern genau das: eine Anweisungsdatei mit den Regeln, ein Fakten-Blatt mit den Zahlen, eine Vorlage mit der Struktur, und der letzte fertige Artikel als Beispiel. Nichts davon war am ersten Tag da. Jedes Stück ist entstanden, weil eine Sache zum dritten Mal von Hand getippt wurde.
Die Reihenfolge, die wir in oh.my.Claude weitergeben, hat drei Stufen: erst Cowork nutzen, dann Projekte ordentlich anlegen, dann Claude Code. Dieselbe Reihenfolge gilt für die Prompts: erst normal tippen, dann Regeln hinterlegen, dann Abläufe festhalten. Wer bei Stufe 3 anfängt, schreibt Anweisungen für Aufgaben, die er noch nie gemacht hat.
Wie du deinen ersten System-Prompt in 20 Minuten schreibst
Den ersten System-Prompt schreibst du nicht aus dem Kopf, du liest ihn aus deinen letzten 10 Chats ab. Das dauert etwa 20 Minuten und liefert einen Text, der von der ersten Minute an zu deinem Alltag passt, statt zu dem, was in einer Anleitung steht.
Der Ablauf hat 4 Schritte. Erstens: Öffne deine letzten 10 Chats und schreib für jeden eine Zeile mit, was du an der Antwort korrigiert hast. Zu lang, falsche Anrede, Fachbegriff nicht erklärt, drei Ausrufezeichen, eine erfundene Zahl. Zweitens: Streich alles, was nur einmal vorkommt. Was übrig bleibt, sind deine echten Dauerregeln, meistens zwischen 4 und 8 Zeilen. Drittens: Schreib drei Sätze darüber, wer du bist, für wen du arbeitest und was deine Leser nicht wissen. Viertens: Häng eine einzige Zeile für den Fehlerfall an, also was passieren soll, wenn eine Angabe fehlt.
Fertig ist ein Text mit 120 bis 200 Wörtern, den du in das Feld deiner Oberfläche kopierst. Er ist nicht schön, und genau das ist in Ordnung, weil ihn außer dir niemand liest.
Danach gilt eine einzige Pflegeregel: Jedes Mal, wenn du dieselbe Sache zum zweiten Mal wegkorrigierst, kommt eine Zeile dazu. Keine Runderneuerung, keine monatliche Überarbeitung, eine Zeile. Bei Daniel ist die Liste der verbotenen Wörter über Monate genau so gewachsen, und sie ist heute der Teil, der die meiste Nacharbeit spart.
Zwei Dinge, die du beim ersten Anlauf weglassen kannst. Beispiele im System-Prompt: Die gehören in die Vorlage für die jeweilige Aufgabe, im System-Prompt machen sie den Text lang und die Regeln unscharf. Und Angaben zu deinem Tonfall, die du selbst nicht in einem Satz erklären kannst. "Locker, aber professionell" ändert an der Antwort nichts. "Du-Anrede, höchstens 150 Wörter, keine Ausrufezeichen" ändert jede Antwort.
Die 5 häufigsten Fehler bei System-Prompt, Mega-Prompt und Kette
Die 5 Fehler, die wir am häufigsten sehen, sind ein System-Prompt mit Aufgaben darin, ein System-Prompt mit sich widersprechenden Regeln, ein Mega-Prompt ohne Ausschlüsse, eine Kette ohne Prüfstellen und ein kopierter Prompt aus dem Netz, den niemand angepasst hat.
Aufgaben im System-Prompt. Wer "Schreib mir jeden Montag die Wochenübersicht" in die Custom Instructions schreibt, bekommt in jedem Chat Hinweise auf Wochenübersichten, auch beim Umformulieren einer Mail. Der System-Prompt enthält Regeln, keine Aufträge.
Regeln, die sich widersprechen. "Antworte ausführlich" und "höchstens 100 Wörter" stehen erstaunlich oft in demselben Feld, weil die eine Zeile im Januar entstanden ist und die andere im Mai. Einmal im Quartal den eigenen System-Prompt komplett lesen, das dauert 2 Minuten.
Mega-Prompt ohne Ausschlüsse. Die Ausschlüsse am Ende sind der Teil, der den Unterschied macht: keine erfundenen Zahlen, kein Rabatt, keine Schlussfloskel. Ohne sie bekommst du einen Text, der gut aussieht und an drei Stellen etwas behauptet, das du nie gesagt hast.
Kette ohne Prüfstellen. Eine Kette, bei der du alle 4 Schritte hintereinander abschickst, ohne zwischendurch zu lesen, ist ein Mega-Prompt mit mehr Aufwand. Der ganze Gewinn liegt in den Sekunden zwischen den Schritten.
Kopierte Prompts ohne Anpassung. Ein Prompt aus einer Sammlung enthält die Rolle und den Kontext von jemand anderem. Bei uns gilt: Jeder fremde Prompt bekommt vor dem ersten Einsatz zwei Änderungen, die Zielgruppe und ein Ausschluss. Ohne die beiden liest man die erste Antwort und legt den Prompt wieder weg.
Was bei uns selbst hinterlegt ist
Bei uns liegt die Dauer-Anweisung in einer Datei namens CLAUDE.md, die bei jedem Start mitgelesen wird, und darunter hängen die Skills für die Abläufe, die sich wiederholen. Das ist dieselbe Anordnung wie oben, nur in einem Ordner statt in einem Einstellungsfeld.
Konkret steht in dieser Datei: wer wir sind, wie die Ordner sortiert sind, welche Wörter nie in einem Text vorkommen dürfen, und was passiert, wenn eine Angabe fehlt. Die Liste der verbotenen Wörter ist über Monate entstanden, Zeile für Zeile, immer nachdem dieselbe Formulierung zum zweiten Mal weggestrichen wurde. Genau das ist die zweite Schwelle aus dem Abschnitt oben, nur konsequent durchgezogen.
Darunter liegen die über 60 Skills: einer für Hooks, einer für das Entfernen von KI-Sprache, einer für Landing Pages, einer für Posts. Jeder davon war vorher eine Kette im Chatfenster. Und ein paar Ketten sind bis heute Ketten geblieben, weil sie selten laufen und weil die Prüfstelle in der Mitte jedes Mal eine andere Entscheidung braucht. Nicht alles muss automatisch werden.
ChatGPT ist eine Marke von OpenAI, Claude eine Marke von Anthropic PBC, Gemini eine Marke von Google. KI.ohne.Team steht in keiner Verbindung zu diesen Unternehmen.
Fazit
Ein System-Prompt enthält die Regeln, die immer gelten, ein Template die Aufgabe mit Lücken, ein Mega-Prompt eine große Aufgabe in einem Block, und eine Kette mehrere Schritte mit einem Blick dazwischen. Die Felder dafür heißen Custom Instructions, Projekt-Anweisungen und Gem, und mehr Technik steckt nicht dahinter. Die meiste Zeit sparst du mit der zweiten Regel in den Custom Instructions und nicht mit der fünften Kette. Fang mit der Zeile an, die du diese Woche zweimal wegkorrigiert hast.
Häufige Fragen
Was ist ein System-Prompt?
Ein System-Prompt ist die Anweisung, die du einmal hinterlegst und die danach bei jedem Chat mitläuft, ohne dass du sie wiederholst. Darin stehen Rolle, Zielgruppe, Ton, maximale Länge und Ausschlüsse, also alles, was in 3 Monaten noch stimmt. Eine Aufgabe gehört nie hinein. In ChatGPT heißt das Feld Custom Instructions, in Claude sind es die Projekt-Anweisungen, in Gemini ein Gem.
Was ist der Unterschied zwischen System-Prompt und normalem Prompt?
Der Unterschied ist die Lebensdauer. Ein normaler Prompt gilt für eine Antwort und enthält die Aufgabe. Ein System-Prompt gilt für alle Antworten, bis du ihn änderst, und enthält nur Regeln. Praktisch heißt das: Alles, was du sonst in jeden dritten Chat tippen würdest, gehört in den System-Prompt.
Was ist ein Mega-Prompt?
Ein Mega-Prompt ist eine einzelne, sehr lange Anweisung für eine große Aufgabe, meist 200 bis 600 Wörter, in der Rolle, Material, Ablauf, Format und Ausschlüsse in einem Block stehen. Der Begriff ist kein Menüpunkt und keine Funktion, es ist einfach ein langer Prompt. Er lohnt sich bei einem Ergebnis mit vielen Vorgaben und ist der falsche Griff, sobald mehrere Ergebnisse aufeinander folgen.
Was bedeutet Prompt-Chaining?
Prompt-Chaining heißt, eine große Aufgabe in 3 bis 5 Prompts zu zerlegen und das Ergebnis jedes Schritts als Eingabe des nächsten zu nehmen. Nach jedem Schritt prüfst du genau eine Sache, bevor es weitergeht. Der Gewinn liegt in diesen Prüfstellen: Wenn Schritt 2 daneben liegt, korrigierst du Schritt 2 und der Rest läuft auf dem korrigierten Stand.
Wo stelle ich den System-Prompt bei ChatGPT ein?
Unter Einstellungen, Personalisierung, Custom Instructions. Dort stehen zwei Felder: eines für Angaben über dich, eines dafür, wie ChatGPT antworten soll. Was dort steht, läuft in jedem neuen Chat mit. Daneben hat jedes Projekt eigene Anweisungen, die nur für Chats in diesem Projekt gelten.
Kann ich denselben System-Prompt in Claude und ChatGPT nutzen?
Ja, der Text funktioniert in beiden unverändert, weil Rolle, Regeln und Ausschlüsse überall gleich gelesen werden. Der Unterschied liegt in der Ablage: In Claude kommen zu den Anweisungen noch Projektdateien als statisches Wissen und Memory als wachsender Kontext dazu, in ChatGPT sind es die Custom Instructions plus Projekte mit Dateien.
Wie lang darf ein System-Prompt sein?
Eine feste Obergrenze in Zeichen nennen die Anbieter für diese Felder nicht. In der Praxis funktionieren 100 bis 300 Wörter gut. Darunter fehlen die Ausschlüsse, darüber widersprechen sich die Regeln gegenseitig, und dann hält sich die Antwort an keine davon richtig. Wer mehr braucht, hat meistens zwei Rollen in einem Feld und legt besser zwei Projekte an.
Welche Ketten bei uns diese Woche laufen
Die Ketten und Anweisungs-Dateien aus diesem Artikel sind der Stand von September 2026, und jede Woche kommt eine dazu oder eine bekommt die Zeile, die beim letzten Durchgang gefehlt hat. Im KI Hub liegen sie nach Anwendungsfall sortiert, mit der jeweils aktuellen Fassung, und im Newsletter schreiben wir, welche Kette gerade dazugekommen ist, wie viele Schritte sie hat und an welcher Prüfstelle wir beim ersten Durchgang hängen geblieben sind. Wer damit anfängt, nimmt am besten eine Kette, die bei jemand anderem schon 3 Wochen durchläuft.
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